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02.09.2019, 18:46 Uhr | Klaus Kühlken, Text: Franz Volkmer, Bilder: Eugen Klebs
Erlebnis-Reise ins Frankenland

Die Kreisvereinigung Osterholz der Senioren-Union der CDU führte vom 18.bis 23. August 2019 ihre Sommerreise in das Frankenland durch. Eine Reise mit vielen Eindrücken, aber auch gemischten Gefühlen, was die NS-Zeit anbetrifft.

Marienaltar von Tilmann Riemenschneider in der Herrgottskirche in Creglingen

Zur Einstimmung wurde bereits im Bus das von Josef Victor von Scheffel gedichtete Frankenlied „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein, wer lange sitzt, muss rosten. Den allerschönsten Sonnenschein lässt uns der Himmel kosten. Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid der fahrenden Scholaren. Ich will zur schönen Sommerzeit ins Land der Franken fahren“ kräftig gesungen.

Ein erster kultureller Höhepunkt war der Besuch der Herrgottskirche in Creglingen, einer ehemaligen Wallfahrtskirche. In Fachkreisen gilt der Creglinger Marienaltar als Hauptwerk Tilman Riemenschneider, der von 1460 – 1531 lebte und dieses Meisterstück zwischen 1490 und 1510 schuf.

Herrgottskirche in Creglingen

Die Grundform bildet eine spätgotische Monstranz nach. Zentral und für den gesamten Altar prägend, gestaltete Riemenschneider die über den Aposteln zum Himmel auffahrende Maria.

Entlang der Frankenweinstraße erreichte die Gruppe dann Rothenburg ob der Tauber. Keine andere Stadt in Deutschland verkörperte so eindrucksvoll gewordene und gelebte 1000-jährige Geschichte, so dass diese Stadt weit über Deutschland hinaus als Sehenswürdigkeit ersten Ranges gilt. Stündlich gehen im Rathaus zwei Fenster auf und erinnern an den Feldherrn Tilly und den Bürgermeister Nusch. Im Jahre 1631, während des 30jährigen Krieges, gelingt durch den Meistertrunk des Bürgermeisters die Rettung der Stadt vor der endgültigen Zerstörung, indem er drei und ein Viertel Liter Wein getrunken haben soll.


 Rothenburg ob der Tauber 

Das nächste Ziel war Nürnberg. Die Königsburg war der Sitz der hohenzollerischen Burggrafen. Die Stadt erreichte um 1500 ihre höchste, auf Handelsreichtum gegründete Blüte. Die mittelalterliche Altstadt war mit Burg, Mauern, Wall und Graben die am besten befestigte Stadt im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Da die Altstadt im 2. Weltkrieg weitgehend zerstört wurde, galt das Interesse dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Hier wurde in der nationalsozialistischen Architektur der Neoklassizismus des frühen 20. Jahrhunderts monumental übersteigert. Es sollte erhaben, mächtig, ehrfurchtgebietend und für die Ewigkeit gebaut sein. Der Krieg verhinderte jedoch Fertigstellung des gesamten Ensembles wie die riesige Kongresshalle und das Deutsche Stadion mit 400.000 Plätzen. Ab September 1935 fanden hier alljährlich die bombastischen Reichsparteitage der Nazis statt.



Nürnberg, Tribüne Reichsparteitagsgelände (Mahnmal)

Heute stehen die Reste als Mahnmal an die Gewaltherrschaft unter Denkmalschutz. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass es ausgerechnet in Nürnberg, wo die berüchtigten Rassengesetze 1935 auf dem Reichsparteitag verkündet wurden, vom 20.11.1945 bis 1.10.1946  24 ausgewählten Nazi-Größen in einem Kriegsverbrecher-Prozess vor einem internationalen Militärtribunal zur Rechenschaft gezogen worden sind. Obwohl die Stadt im Krieg zu über 90 Prozent zerstört wurde, blieb seltsamerweise, wie wir uns selbst überzeugen konnten, der riesige Justizpalast in der Fürther Straße unversehrt und war 1945 in Deutschland das einzige Justizgebäude, welches für solch einen Mammutprozess zur Verfügung stand. Es ist vorgesehen, den betreffenden Gerichtssaal als Gedenkstätte einzurichten.



Festung Marienburg

 Das Kontrastprogramm zu diesem dunklen Teil deutscher Geschichte fand in Würzburg statt. Im Mittelpunkt stand die prächtige Residenz der Würzburger Fürstbischofe. Ursprünglich war sie geplant für den Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn und gebaut wurde sie von 1720 bis 1744 von dem damals jungen, unbekannten Architekten Balthasar Neumann. Die Innenausstattung war erst 1780 vollendet. Weltberühmt ist die Treppe, die ein freitragendes Gewölbe überspannt und von 1752/53 von dem venezianischen Maler Giovanni Battista Tiepolo mit einem Deckenfresko versehen wurde, welches die vier Kontinente darstellt. Es misst 18 x 30 Meter und ist eines des größten Freskos, die jemals gemalt wurden. Niemand glaubte zur damaligen Zeit, dass solch ein riesiges, freistehendes Gewölbe halten würde. Es hielt und überstand selbst die Bombardierung im März 1945. Die sich nach dem Aufgang anschließender Räume sind von erlesender Schönheit. Nach soviel Kultur brauchte man eine Auszeit zur Erholung. Sie fand statt bei einer Weinprobe und einer Häcker Brotzeit bei einem Winzer im Weindorf Nordheim am Main. Anschließend wurde noch ein Weinberg besichtigt.
 

Ehemalige Residenz der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach

Am letzten Tag stand Ansbach, die Regierungshauptstadt von Mittelfranken und ehemalige Residenz der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, auf dem Programm. Da diese Stadt im Krieg unversehrt blieb, versprüht sie noch heute den Hauch einer Markgräflichen Residenzstadt des 18. Jahrhunderts. Beeindruckende Baudenkmäler wie die Markgräfliche Residenz mit 27 Prunkräumen, die prächtige Orangerie im Hofgarten, die Kirchen Sankt Johannis und Sankt Gumbertus mit der Fürstengruft, die Hofkanzlei, das Rathaus und die Synagoge, die von 1744 -1746 von Leopoldo Retty gebaut wurde, bilden ein geschlossenes Ganzes. 

Weinprobe und Brotzeit bei einem Winzer im Weindorf Nordheim am Main
 


 Ein mysteriöser Kriminalfall in Ansbach beschäftigt die Menschen bis auf den heutigen Tag. Am Pfingstmontag, dem 26. Mai 1828 wird auf dem Unschlittplatz in Nürnberg ein etwa 16jähriger Junge namens Kaspar Hauser aufgegriffen, der durch einen unsicheren Gang auffiel, alle Fragen mit „dös wois i net“ beantwortete und kaum seinen Namen schreiben konnte. Bis Mitte Juli blieb er eingesperrt im Gefängnisturm auf der Nürnberger Burg, wurde polizeilich verhört und vor zahllosen Schaulustigen ausgestellt. Bald verbreitete sich das Gerücht, dass es sich bei Kasper Hauser um den Erbprinzen aus dem Hause Baden handelt, der beiseitegeschafft worden war, um einer Nebenlinie den Weg auf den Thron freizumachen. Bereits im Oktober 1829 wurde auf ihn ein Anschlag verübt, den er überlebte. Um diese Zeit tauchte ein seltsamer englischer Lord auf, der sich binnen kürzester Zeit als Hausers großer Gönner ausgab und die Vormundschaft übertragen bekam. Lord Stanhope veranlasste dann die Übersiedlung nach Ansbach mit der Maßgabe, ihn bald zu sich nach England zu holen. Doch dazu kam es nicht mehr. Als Kasper Hauser im Dezember 1831 nach Ansbach zog, war er bereits europaweit bekannt, und die Bevölkerung nahm großen Anteil an seinem Schicksal, wie es sich bei seiner Konfirmation im Mai 1833 zeigte. Auch der Präsident des Appellationsgerichtes, Anselm von Feuerbach, der Vater des berühmten Philosophen Ludwig von Feuerbach, befasste sich mit seinem Lebensweg und legte im Frühjahr 1833 in einem Memorandum erstmals alle Hinweise nieder, die auf die badische Herkunft Hausers schließen ließen. Eine Woche nach der Konfirmation Hausers wurde Anselm von Feuerbach in Frankfurt am Main ermordet. Nun waren auch die Tage von Kasper Hauser gezählt. Am 14. Dezember wurde er unter dem Vorwand, seine Herkunft und den Namen seiner Mutter zu erfahren, in den Hofgarten gelockt, wo sein Mörder ihn bereits erwartete. Mit einem gezielten Stich traf er den etwa 21jährigen in das Herz. Drei Tage später starb er und wurde am 20. Dezember 1833 auf dem Stadtfriedhof beigesetzt.   

Nach vielen Jahren fand man ein Haar und DNA Spuren an seiner Kleidung, die nach neuesten kriminal-technischen Methoden untersucht worden sind mit dem Ergebnis, dass Kaspar Hauser mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich der Erbprinz aus dem Hause Baden war und kein Schwindler.

 

Gruppenfoto in der Hofkirche von Würzburg