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19.06.2019, 14:09 Uhr | Klaus Kühlken, Text und Bilder Dörte und Lutz Bernsdorf
Spuren einer Rüstungslandschaft „Denkort Bunker Valentin“
 SU Stadtvereinigung Osterholz-Scharmbeck hat wieder zu  einer interessanten Veranstaltung am 14. Juni eingeladen. Das Thema führte uns zum Denkort Bunker Valentin in Bremen Farge. Um 09.10 Uhr starteten 25 interessierte Seniorinnen und Senioren in Fahrgemeinschaften mit dem PKW zum Rekumer Siel.

Dr. Marcus Meyer begann die Führung um 10.00 Uhr am Mahnmal („Vernichtung durch Arbeit“) am neuen Haupteingang. Dr. Marcus Meyer ist der Leiter des „Denkorts Bunker Valentin“. Es handelt sich hier um die Ruine einer U-Boot-Werft. Mitte 1943 begann die Kriegsmarine mit dem Bau des Bunkers „Valentin“, um dort U-Boote des neuen Typs XXI im Fließbandverfahren zu fertigen. Bis zu 10000 Zwangsarbeiter mussten von Mai 1943 bis April 1945 unter unmenschlichen Bedingungen täglich Schwerstarbeit auf der Baustelle leisten: Zivile Zwangsarbeiter aus ganz Europa, sowjetische Kriegsgefangene, italienische  Militärinternierte, KZ-Häftlinge und Insassen eines sogenannten Arbeitserziehungslagers der Bremer Gestapo. Viele von ihnen überlebten die Folgen der körperlich anstrengenden Arbeit auf der Bunkerbaustelle, der unzureichenden Versorgung und der Lebensbedingungen in den umliegenden Lagern nicht. Während des Bunkerbaus starben vermutlich 1600 Zwangsarbeiter.

Dr. Marcus Meyer berichtete sehr anschaulich aus seinen Forschungsergebnissen, aus Berichten einiger Überlebender sowie einiger Anwohner. Die Sinnlosigkeit dieses Bauwerkes und damit die Sinnlosigkeit dieser Opfer von 1600 Menschenleben erklärt sich dadurch:

U-Boote konnten nicht gebaut und zu Wasser gelassen werden, im Britischen Archiv wurden Pläne über den genauen Baufortschritt der Baustelle gefunden. Dadurch zerstörte im März 1945 die britische Royal Air Force den noch nicht fertig gestellten westlichen Teil des Bunkerdachs.  Nach Kriegsende diente der Bunker den Alliierten zunächst als Zielobjekt für Bombentests, Abrisspläne waren gescheitert. In den 1960er-Jahren ging er in den Besitz der Bundesmarine über und diente als Materiallager.

Von den Tanklagerprojekten der 1930er-Jahre, der riesigen Baustelle des U-Boot Bunkers und den Zwangsarbeiterlagern sind heute nur noch wenige Zeugnisse erhalten.
Die Erläuterungen von Herrn Dr. Marcus Meyer über diese wenigen Zeugnisse aus damaliger Zeit machten uns sehr nachdenklich und manchmal betroffen.


 
Die Bundeswehr verließ 2010 den Bunker, der Weg für einen Denkort war frei. Im November 2015 wurde der „Denkort Bunker Valentin“ offiziell eröffnet.

Wir fuhren dann wieder mit Fahrgemeinschaften nach Osterholz-Scharmbeck in den „Skipper Treff“, dort konnten wir ein wohlschmeckendes Spargelessen zu uns nehmen.

Nach angeregter aber nachdenklicher Unterhaltung war eine gelungene Veranstaltung beendet.